d e r    m a n n    i m    m o n d     //     oder  über  gesetzmäßigkeiten  diverser  voraussetzungen  hinsichtlich  der  momente  zwischen  leben  und  tod     //     BAND 1

Kapitel 1 - Der Tod

Der Herbst und das Motorrad

 

Herbst. Halb zwölf Mittags.
Am Ende einer Straße die durch die Innenstadt führt, sitzen ein offensichtlich alkoholisierter ahnlungsloser Alkoholiker, eine junge Frau mit Zigarette und Kaffee To-Go, eine stadtverseuchte Tauben (eine weitere im Landeanflug), und ein alter gebrechlicher Mann, auf einem Sitzbankrondell um einen Baum, und warten, auf was sie eben warten. Die Sonne verbirgt sich (aus dieser Perspektive betrachtet) hinter einem hohen Gebäudekomplex, welcher sich im Rohbau befindet, weswegen er eingerüstet ist. Sofern die Wolkendecke es zulassen würde, könnte man bald in der Mittagssonne sitzen. Taube Nummer Zwei, ist inzwischen gelandet, und kreist mit Taube Nummer Eins, um ein zu großes Stück Brot, das auf dem Pflaster der Innenstadt, und nichts weiter. Flüchtiger Zigrattenrauch liegt immer wieder in der Luft. Diddie, so wie er später von seiner vermeintlichen Frau genannt, sitzt regenungslos, wenn nicht ab und an schwer atmend, zu jenem Zeitpunkt noch nicht in der prallen Mittagssonne. Als seine Frau die Rolltreppe zur U-Bahnstation, heraufkam und nichts dabei sagte, wussten die Tauben und die junge Frau, es ist Zeit zu gehen, und sie gingen. Diddies Frau eröffnete das Wortfeuer, gegen das Diddie die letzten Jahre ihrer Ehe nie eine Chance gehabt hatte.

 

>> Diddie, da kommt einer mit Gurten, und der nimmt vielleicht ganz sicher das Öl auch mit es ist der Chef persönlich nicht der eine Du weißt schon für 350 kommt der für 350 und den Vertrag bringt er auch gleich mit< <

 

 

Sie setzt sich neben Diddie, und fährt fort.

 

 

>>Diddie der Cheff kommt persönlich und bringt den Vertrag mit um 3Uhr, jetzt gehen wir noch einkaufen für heute Mittag, 15Uhr kommt der Herr Mosch persönlich wahrscheinlich hat er einen Anhänger dabei ich such noch die Papiere die hab und den Schlüssel auch 350 Diddie!< <

 

 

Dietmar oder Dieter oder Dietrich erhob sich, und sie, schwieg bis er stand und losging, saß weiter und begann erneut.

 

 

>>und wenn er die alte Ölwanne und das Öl noch mitnimmt. Diddie!< <

 

 

Diddie ging indessen dreizehn Schritte auf einen öffentlichen Mülleimer zu, blieb ca. einen Meter vor ihm stehen, und spuckte auf den Boden.
Die Spucke platschte auf den Boden und hinterließ einen beachtlichen Fleck. Sie schwieg. Diddie rieb sich mit dem Zeigefinger seine feuchten Augen, die im Begriff waren noch mehr Tränenflüssigkeit zu verlieren wenn er es nicht täte, und hob seinen Kopf.

 

 

>> aber es tut so weh.< <

 

 

Sie entgegnete energisch

 

 

>>das muss es doch nicht. Diddie, du kannst doch sowieso nicht mehr fahren, und das Öl nimmt er doch auch mit.< <

 

sie stand auf, ging auf ihn zu, nahm seine Hand und die beiden verließen den Schauplatz.

Während die Sonne einen Vorgeschmackt auf das was sie gleich leisten würde, folgerichtig erbrachte, saß ein ahnungsloser Alkoholiker im Sonnenlicht und stank erbärmlich.


 

 

 

Susanne

 

Susanne stieg in die Bahn ein. Ohne es genau abzuwägen, empfahl sie sich einem Sitzplatz, ging auf ihn zu, lies die Handtasche fallen, und während sie tief und schnippisch ausatmetet, sank ihr Körper breit über zwei Sitzplätze hinweg. Sie dachte nach. Sie wollte nicht wissen was auf sie die nächste Zeit zukommen sollte, und wusste es dennoch ganz genau. Ihrer Erwartungen und Hoffnung zum Trotze. Einen Augenschlag später, nachdem Sie Ihre Augen wieder öffnete, summte Ihr Telefon, sie ging ran, las die Nachricht und erwiderte.

 

>>Nein, nein, das wird schon, is nur der Schock.< <

 

Sie blickte abseits des Display. Da sitzt so ein merkwürdig nachdenkender Typ gegenüber. Die Blicke kreutzten sich in einer Kurzblickerphase.
Interesse heuchelte auf, verwandelte sich in erhoffte Seelenverwandtschaft, stahl sich, so schnell wie es kam ebenso wieder in Anonymität.
Eigentlich ganz Interessant. Sie tippt eine Nachricht an Ihre Freundin. Die Fahrt wird nicht lange dauern. Sie dauerte erwartete Ewigkeiten.
Die tippt.


>> Mensch, wieso schauen mich heute alle so an als hätte ich Krebs oder sowas.< <

 

Er sprach Sie an.

 

>>Hallo, ich will nichts schlechtes von Ihnen. Aber mit Verlaub, dürfte ich sobald ich ausgestiegen bin, ein Foto von Ihnen machen.< <
>>Bitte was???< <
>>Entschuldigen Sie, ich bin Fotokünstler und fange gerne schöne Menschen ein. Hier schauen Sie. Ich habe eine Kamera, die ist recht gut, ich meine sie tut ihren Zweck, und wenn Sie erlauben, würde ich gerne von aussen, durch das Fenster ein Foto von Ihnen machen.. So wie sie gerade dasitzen. Ich finde das schön.< <
>>Wieso gerade von mir.< <
>>Sie sehen für mich momentan sehr sehr schön aus.< <
>>also ich find das echt …. also echt jetzt, wenn Sie von mir ein Foto machen wollen,
schauen sie doch, wie ich aussehe.< <
>>Jaja, ich schaue ja, Bitte. ich muss hier umsteigen. Nur ein Zwei Fotos.< <

 

Sie entgegnete ihm in peinlich berühter Körpersprache als er sich aufmachte aufzustehen und auszusteigen.
Seine Worte.

 

>>es tut ja gar nicht weh< <

 

Ihr traten Tränen in die Augen.

Als die Bahn hielt und sich die Türen öffneten, bekam sie die Antwort.

 

>>Weil Du es vielleicht nun mal hast. Warte die Ergebnisse ab. HDL Kuss Kuss.<<

 

Klick. Klick. Dann ein kleines Lächeln, eine dankendes Nicken des Fotografen und eine freundliche Geste. Klick.

 

 

 

 

 

Claudia

>>wenn ich noch ein Stück esse, platze ich vor Glück<<

>>schaaaarch<<

 

Sie streichelt seinen Kopf. Das Sonntagnachmittagprogramm eines Dokumentationsfernsehsender verleiht dem kühlen Wohnzimmer die nötige Stimmung, Die heruntergelassenen Jalousien versagen der herrschenden Sonne und dem herrschenden Sommer die eigentliche Aufgabe der Bildung einer Raumatmosphäre. Was sie nicht sonderlich bedrückt, da den beiden gewiss keine seelischen gar kognitiven Eigenschaften zugesprochen werden können.

 

>>das Weibchen hat einen Wurm erblickt, und während der flinke Räuber lauert, lässt das Gezwitscher der Küken im sicheren Heim, die fürsorgliche Mutter für einen kurzen Augenblick die lauernde Gefahr am Boden vergessen.<<


>>schrrrrrrch<<

 

>>Im Kindergarten hat doch letztens eine Mutter gemeint, sie müsste mir Anweisungen geben, wie ich ihre Tochter erziehen soll.<<

 

>>Sie ist auf Ihrer Position, und augenscheinlich wie sie sich in Flug begibt, und kurz davor ist das karge Mahl für ihre kleinsten zu erbeuten, wird sie bald selbst zu einer leichten Mahlzeit für die australische Räuberin, deren europäischen Artverwandten wir nur zu gern um uns haben.<<

 

>> meinst Du wir sollten mal ein Bezeihungsgespärch führen? Also ich finde es läuft doch ganz gut. Was meinst Du? Man muss doch nicht ab und an streiten um eine ausgeglichene Beziehung zu führen! Also Find ich. Ich mag deine Wohnung.

Stille.

Ich liebe dich.<<

 

>>schrrrrrrch<<

 

>>tschirp tschirp tschirp tsch...............<<

 

>>schrrrrrrch<<

 

>>Oooooh, fffff, das war ein Fehler. Es wird Tage dauern bis ich das verdaut habe. Findest Du mich eigentlich zu dick? Ich weiß, ich weiß, du magst mich genauso wie ich bin. Aber mal angenommen ich würde jetzt voll viel abnehmen wollen, oder fett werden, würdest Du mich dann ...<<

 

>>schrrrrrrch<<

 

>>Es ist geschehen. Die Küken könnten ohne ihre Fürsorgerin nicht überleben. Es spricht sich herum, in der Nachbarschaft. Am Abend lässt das Geschrei der Kleinen niemanden kalt. Weder Männchen noch Weibchen.<<

 

>>schrrrrrrch<<

>>kannst Du mal kurz deinen Kopf<<

>>schrrrrrrch<<

>>lässt Du mich mal bitte, ... oh ich muss ...<<

 

>> Schnell hat sich ein Stiefmütterchen erbarmt, und versorgt nun die kleinen mit Nahrung. Die zwei kleinsten und schwächsten haben es bis zum nächsten Morgen nicht geschaft. Zu kalt war die Nacht, und zu erbarmungslos Mutter Natur.<<

 

>>fuck, ich<<

 

Ein falsch aufgesetzter Fuß lässt Christoph aus seinem Traum erwachen.

Wo er gerade ist, kann er auf den ersten Moment nur erahnen.

 

„Jetzt.“
„Wohnzimmer.“

 

Er liegt nicht wie überlicherweise auf Couch. Was ihm die visuellen Anhaltspunkte verdreht, falsch und surreal erscheinen lassen.

Auch das Claudia jetzt tot ist

 

„Was war da los Christoph? Wo bist Du gewesen?“

 

Er rafft sich auf und schaut im Zimmer umher.

 

"Surreal.“

 

Er verkneift sich die Tränen, indem er seinem Harndrang, Vorrang gewährt und sich zur Toilette begibt. Den Pizzakarton, schmeißt er achtlos in die Küche, dann durch den Flur,  und die Erinnerung beginnen erneut.

 

>>Du gehst in den Flur, und die Tür links, vor der Wohnungstür. Da ist das Klo.<<
>>Alles klar, bin gleich wieder da! Schlaf nicht ein. Hörst Du?! Nicht einschlafen!<<
>>nein nein, ich schlafe nicht ein<<


Sie lächelt.
Er lächelt.
Er wird nie vergessen, dass sie nicht mehr hier ist, und sie ist einfach nicht mehr hier.